Samstag, 14. Februar 2015

Hilfe für Flüchtlinge und gelebte Willkommenskultur: www.charlottenburg-hilft.de

In Charlottenburg gibt es zur Zeit einige Flüchtlingsunterkünfte. Glücklicherweise sind ausländerfeindliche Proteste wie sie in anderen Bezirken stattgefunden haben, bislang ausgeblieben. Dennoch bedarf es immer einer aktiven BürgerInnenschaft, damit sich von Krieg und Leid traumatisierte und hilfesuchenden Menschen nicht mit Ablehnung und Hass konfrontiert sehen.
Viele Menschen in Charlottenburg-Wilmersdorf engagieren sich für eine gelebte Willkommenskultur und organisieren ganz praktische, alltägliche Hilfe.


Seit wenigen Tagen ist die Website www.charlottenburg-hilft.de online. Hier vernetzen sich die Aktiven, findet Informationsaustausch statt und wird ganz praktische Hilfe angeboten. Sie sind herzliche eingeladen, sich auch zu engagieren, Kleidung zu spenden oder mit Sprachkenntnissen auszuhelfen. Viele weitere Möglichkeiten gibt es, sich zu engagieren und www.charlottenburg-hilft.de zeigt, wo die Hilfe am meisten gebraucht wird.

Sonntag, 25. Januar 2015

Erinnerungsort im Kiez: Die Friedbergstraße

Wohl kein Ort in Deutschland symbolisiert so sehr die jüdische Kultur, die in unserem Land bis 1933 bestand, wie Charlottenburg. Geist und Macht, Bildung und Besitz gingen in der einst wohlhabendsten Gemeinde des Deutschen Reiches einen segensreichen Bund miteinander ein, maßgeblich getragen und bereichert durch die zahlreichen jüdischen Mitbürger, die sich hier nach dem preußischen Emanzipationsedikt von 1812 niederließen. Umso brutaler der Einschnitt, den der Machtantritt der Nationalsozialisten bedeutete: erst verfolgt und drangsaliert, dann offiziell entrechtet und enteignet, wurden die Juden Charlottenburgs wie ihre Schwestern und Brüder in ganz Deutschland schließlich systematisch deportiert und grausam ermordet, wenn sie nicht schon zuvor den Schikanen durch SA, SS und Polizei erlegen waren. Nicht wenige von ihnen entzogen sich, verzweifelt und alleingelassen,
dem ihnen zugedachten Schicksal durch den freiwilligen Tod.

In der Friedbergstraße, die noch im Kaiserreich nach dem liberalen jüdischen preußischen Justizminister Heinrich v. Friedberg (1813-1895) benannt wurde, erinnern seit diesem Jahr dank der privaten Initiative „Stolpersteine Friedbergstraße Berlin“ nun (vorläufig) dreiundzwanzig in den Bürgersteig eingelassene Gedenksteine an Jüdinnen und Juden, die hier lebten, bevor sie zwischen 1939 und 43 in den Tod getrieben wurden. Anlässlich des fünfundsiebzigsten Jahrestages der „Reichspogromnacht“ 1938 fand am 10. November 2013 die feierliche Einweihung des Projekts statt. Rabbiner Daniel Alter von der jüdischen Gemeinde Berlin und Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) hielten Reden, dann wurden an den Stolpersteinen Rosen niedergelegt und Teelichter angezündet. Auch in diesem Jahr brannten am Jahrestag des Pogroms an allen „Stolpersteinen“ rund um den Lietzensee wieder Lichter, die, ebenso wie der Blumenschmuck, dem Gedenken an die gedemütigten und ermordeten Mitbürger aus unserem Kiez eine würdige und liebevolle Form verliehen.

Auf ihrer Website stellt sich die Initiative ausführlich vor und erinnert an jedes der dreiundzwanzig jüdischen Opfer des Holocaust, derer hier gedacht wird, mit einem kurzen Lebenslauf mitsamt weiterführenden Quellenangaben.



Autor: Konstantin Johannes Sakkas M. A.
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