Samstag, 10. März 2012

Rosen für alle Frauen am internationalen Frauentag

SPD Lietzensee, Jusos CW und Ülker Radziwill am internationalen Frauentag


7.30 Uhr am S-Bahnhof Charlottenburg. Der Bus spuckt Leute aus, die zur S-Bahn eilen. Mütter mit Kinderwagen sind unterwegs in Richtung Kita, müde Väter ziehen müde Schulkinder an der Hand, drängen sich an Handwerkern  in Arbeitskleidung und an Rentnerinnen vorbei – alles wie immer an einem Werktag in Berlin? Nein, heute ist der 8. März. Mitglieder der Lietzensee-Abteilung haben sich zusammen mit den Jusos Charlottenburg-Wilmersdorf und der Wahlkreisabgeordneten Ülker Radziwill  an diesem Morgen noch etwas früher aus dem Bett gerollt – zu Ehren der Frauen, die für die Gleichstellung gekämpft haben und weiter kämpfen, Tag für Tag, damit wir Frauen nicht mehr so viel kämpfen müssen.

Wir verteilen  Rosen an die Passantinnen – „Mit einem Gruß der SPD zum Weltfrauentag“. Kleine rote Farbtupfer  für den grauen Tag, denn es gibt noch viel zu tun, auch in Deutschland: Frauen bekommen weniger Lohn, erreichen kaum entscheidende Führungspositionen (auch wenn die Kanzlerin so tut, als gäbe es kein Problem) und sind immer noch die,die zuhause bleiben und sich um die Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern. Spitzenfrauen, die es „nach oben“ geschafft haben, erfahren, dass sie doppelt so gut und dreimal so viel wie wie Männer an vergleichbaren Positionen für ihre Anerkennung arbeiten müssen.  Der 8. März ist ein Tag im Jahr für sie alle: Frauen aller Länder und Schichten und Lebenssituationen. Es kommen viele  gute Reaktionen. „Das ist aber lieb!“, bedankt sich eine ältere Dame. „Ach, stimmt ja! Heute…“, erinnert sich eine Jüngere. Die meisten freuen sich über die Aufmerksamkeit. Andere wehren mürrisch ab: „Das nützt mir jetzt auch nichts…“

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin hatte damals nicht so schnell aufgegeben. Auf ihren  Vorschlag  hin beschloss die  Zweite Internationale Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […] Der Frauentag muß einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“

Die Idee kam aus den USA, wo die Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas  im Jahr 1908 einen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht initiierten. Im Februar 1909 organisierten sie dann den weltweit ersten Frauentag in den USA – und brachten damit auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen auf ihre Seite.  Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und die Schweiz legten am 19. März 1911 nach. Schon vor 1900 hatte die SPD – als einzige Partei – das Frauenwahlrecht auf die politische Agenda gesetzt.  Viele Kämpfe um Gleichberechtigung und einen Weltkrieg später kam  1919 das Wahlrecht auch für Frauen.

Also:  Der Frauentag hat durchaus etwas „genützt“. Ohne all die VorkämpferInnen wären wir nicht da, wo wir jetzt sind –  die Rechte, die wir haben, sind nicht selbstverständlich. Und es gibt noch viel zu tun – hier und anderswo.